Die vermietete Eigentumswohnung ist für viele der erste Schritt ins Immobilieninvestment. Mit überschaubarem Eigenkapital und klaren Strukturen – aber auch mit spezifischen Risiken und Besonderheiten.
Vorteile der Eigentumswohnung als Kapitalanlage
- Einstieg möglich ab ~200.000 €: Vergleichsweise niedrige Einstiegshürde
- Hausverwaltung gibt es schon: WEG-Verwaltung kümmert sich um Gebäude
- Instandhaltungsrücklage gemeinschaftlich: Gemeinschaft trägt große Reparaturen
- Gut beleihbar: Banken finanzieren ETW gerne
- Fungibel: Leichter zu verkaufen als ein ganzes Haus
Nachteile und Risiken
- Abhängigkeit von der WEG: Beschlüsse der Eigentümerversammlung bindend
- Hausgeld: Monatliche Zahlungen für Gemeinschaftsflächen
- Sonderumlagen: Große Reparaturen (Dach, Aufzug) können teuer werden
- Weniger Kontrolle: Du kannst nichts ohne WEG-Zustimmung umbauen
- Rendite oft niedriger als Haus: Weil du für Gemeinschaftsflächen zahlst
Das Hausgeld richtig einkalkulieren
Viele unterschätzen das Hausgeld. Es liegt typischerweise bei 2,50–4,00 € pro m² und Monat. Bei einer 60-m²-Wohnung sind das 150–240 € pro Monat – davon ist ein Teil umlegbar auf den Mieter, ein Teil nicht.

Berechne die Rendite nach Hausgeld mit unserem Mietrendite-Rechner (Verwaltungs- und Instandhaltungskosten eingeben).
Welche ETW lohnt sich?
- Guter Zustand oder moderat sanierungsbedürftig
- WEG mit solider Instandhaltungsrücklage
- Keine großen anstehenden Sonderumlagen
- Nachgefragte Lage (3-4-Zimmer für Familien oder 1-2 Zimmer für Singles)
- Kaufpreisfaktor unter 25
Immobilien als Kapitalanlage: Vor- und Nachteile
| Kriterium | Immobilien | ETFs/Aktien |
|---|---|---|
| Renditepotenzial | 3–8 % mit Hebel | 6–9 % historisch |
| Leverage-Effekt | Ja (Bankkredit günstig) | Ja (teuer, Wertpapierkredit) |
| Liquidität | Sehr gering (Monate) | Sehr hoch (Sekunden) |
| Steuervorteile | Sehr hoch (AfA, Zinsabzug) | Begrenzt |
| Verwaltungsaufwand | Hoch | Sehr niedrig |
| Einstiegshürde | 50.000–150.000 € | Ab 25 €/Monat |
Leverage-Effekt: Warum Immobilien so attraktiv sind
Kaufpreis: 300.000 € | Eigenkapital: 60.000 € | Darlehen: 240.000 €
Jahresmieteinnahmen: 11.400 € | Tilgung: 4.800 €
Ertrag auf eingesetztes Kapital (60.000 €): (11.400 + 4.800) ÷ 60.000 = 27 % EK-Rendite
→ Dank Hebel 7× höhere Rendite auf eingesetztes Kapital als ohne Kredit
Häufige Fragen
Ab ca. 3,5 % Nettomietrendite ist eine Immobilie als Kapitalanlage grundsolide. Darunter muss Wertsteigerung die Lücke schließen.
Faustregel: Jahresmieteinnahmen = Jahresausgaben. Bei 40.000 €/Jahr Bedarf ca. 10–15 gut gewählte Einheiten.
ETFs: liquider, diversifizierter, einfacher. Immobilien: Hebeleffekt und Steuervorteile. Beste Strategie: beides kombinieren.
ETW als Kapitalanlage: Vor- und Nachteile im Detail
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Greifbare Sachwertanlage | Klumpenrisiko (alles in einer Immobilie) |
| Inflationsschutz durch Mieterhöhungen | Illiquide — nicht schnell verkaufbar |
| Steuerliche Absetzbarkeit (AfA, Zinsen) | Verwaltungsaufwand |
| Leverage-Effekt durch Fremdkapital | Leerstandsrisiko |
| Wertsteigerungspotenzial | Instandhaltungskosten unvorhersehbar |
| Altersvorsorge ohne Anlagerisiko wie Aktien | WEG-Beschlüsse schränken Handlungsfreiheit ein |
Wann lohnt sich eine ETW als Kapitalanlage?
Eine Eigentumswohnung lohnt sich als Kapitalanlage, wenn:
- Die Nettomietrendite mindestens 2,5 % beträgt (nach allen Kosten)
- Die Lage demografisch stabil oder wachsend ist
- Genug Eigenkapital für Nebenkosten + 10–20 % Eigenanteil vorhanden ist
- Zinssatz der Finanzierung unter der Nettomietrendite liegt (positiver Leverage)
- Der Anlagezeitraum mindestens 10 Jahre beträgt (Spekulationsfrist)
Checkliste: ETW-Kauf als Kapitalanlage
- Lage geprüft: Bevölkerungsprognose positiv?
- Kaufpreisfaktor berechnet: Unter 25 in B/C-Städten?
- Hausgeld analysiert: Nicht umlegbarer Anteil bekannt?
- Rücklage der WEG ausreichend (mind. 50 ct/m²/Monat)?
- Teilungserklärung und Protokolle der letzten 3 WEG-Versammlungen gelesen?
- Mietvertrag geprüft: Marktkonformer Mietzins?
- Finanzierung: Zinsbindung mindestens 10 Jahre?
- Steuer: Zugehörigkeit zu Vermietungs-EK oder Betriebsvermögen?
Typische Fehler beim ETW-Kauf
- Emotionale Kaufentscheidung: "Die Wohnung ist so schön" — bei Kapitalanlage ist Rendite das einzige Kriterium
- Hausgeld ignoriert: 400 €/Monat Hausgeld → 150–180 € davon nicht umlegbar = Renditekiller
- WEG-Beschlüsse nicht gelesen: Geplante Großsanierung frisst Rendite für 5 Jahre auf
- Spekulationsfrist nicht beachtet: Verkauf vor 10 Jahren → volle Einkommensteuer auf Gewinn
FAQ: Eigentumswohnung als Kapitalanlage
Lohnt sich eine Eigentumswohnung als Kapitalanlage?
Ja, wenn Kaufpreisfaktor unter 25 in B-Städten oder unter 35 in A-Städten mit Wertsteigerungserwartung. Vorteile ETW: geringerer Einstiegspreis als Haus, WEG verwaltet Gemeinschaftsflächen, einfachere Finanzierung. Nachteile: Hausgeld-Risiko (Sonderumlagen), WEG-Beschlüsse können teuer sein.
Worauf achte ich beim Kauf einer Kapitalanlage-Wohnung?
Checkliste: Lage (ÖPNV, Schulen, Einkauf), Mietpreisspiegel für die Lage, Hausgeld (vollständige Jahresabrechnung anfordern!), Instandhaltungsrücklage (mindestens 80 €/m² sollten im Konto sein), WEG-Protokolle der letzten 3 Jahre (geplante Sonderumlagen?), Mietsituation (laufender Mieter, Miethistorie), Energieausweis (Heizkostenrisiko für Mieter).
Wie hoch sollte die Instandhaltungsrücklage bei einer WEG sein?
Mindest-Empfehlung: 70–100 €/m² (Gesamtwohnfläche WEG) im Rücklagenkonto. Bei Altbau: 100–150 €/m². Wenn die Rücklage sehr niedrig ist (unter 30 €/m²), drohen Sonderumlagen für Dach, Fassade, Heizung. Das kann als Käufer bedeuten: du zahlst für Sanierungen, die du nicht entschieden hast.