Was ist der Kaufpreisfaktor?

Der Kaufpreisfaktor (auch: Vervielfältiger oder Multiple) gibt an, wie viele Jahresmieten Sie für eine Immobilie zahlen. Er ist das Gegenstück zur Bruttorendite und beschreibt, in wie vielen Jahren die Miete den Kaufpreis "zurückverdient" — ohne Kosten und Inflation.

Formel: Kaufpreisfaktor = Kaufpreis / Jahresnettokaltmiete

Beispiel: Kaufpreis 300.000 €, Jahresnettomiete 12.000 € (1.000 €/Monat) → Faktor = 300.000 / 12.000 = 25

Kaufpreisfaktor und Bruttorendite: Zusammenhang

KaufpreisfaktorBruttorenditeBewertung
10x10,0 %Sehr günstig (Risikomarkt!)
14x7,1 %Günstig
18x5,6 %Akzeptabel
20x5,0 %Fair
25x4,0 %Teuer, Wachstum eingepreist
30x3,3 %Sehr teuer
40x2,5 %Spekulationsmarkt

Typische Kaufpreisfaktoren nach Regionen 2024

Region/StadtKaufpreisfaktor ØBruttorendite ca.
München Innenstadt38–50x2,0–2,6 %
Hamburg, Frankfurt, Berlin28–38x2,6–3,6 %
Stuttgart, Düsseldorf, Köln25–35x2,9–4,0 %
Hannover, Nürnberg, Augsburg22–30x3,3–4,5 %
Dresden, Leipzig, Freiburg20–28x3,6–5,0 %
Magdeburg, Halle, Kassel16–24x4,2–6,3 %
Ruhrgebiet (besser)14–22x4,5–7,1 %
Strukturschwache Kleinstädte8–16x6,3–12,5 %

Was sagt der Faktor aus?

  • Niedriger Faktor (< 18): Hohe laufende Rendite, aber oft strukturelle Risiken (Leerstand, Wertverlust)
  • Mittlerer Faktor (18–25): Balance zwischen Rendite und Sicherheit — meist vernünftige Investition
  • Hoher Faktor (> 28): Niedrige laufende Rendite, aber Wachstumspotenzial — Spekulationsanteil hoch

Kaufpreisfaktor allein reicht nicht

Ein Faktor von 15 in einer Ruhrgebiets-Stadt kann schlechter sein als ein Faktor von 28 in München — weil die Wertsteigerung in München den Rendite-Nachteil langfristig mehr als kompensiert. Immer Faktor + Wachstumsaussichten + Zustand + Lage gemeinsam bewerten.

Verhandlungs-Tipp: Der Kaufpreisfaktor steht selten in der Anzeige — du musst ihn selbst berechnen: Kaufpreis ÷ Jahreskaltmiete. Liegt er über 25, solltest du intensiv verhandeln. Viele Verkäufer akzeptieren 5–10 % Nachlass, wenn du mit konkreten Zahlen argumentierst.

Berechnen Sie direkt: Kaufpreisfaktor-Rechner | Rendite-Rechner | Rendite Schritt für Schritt

Praktische Anwendung

Die wichtigste Frage für Investoren ist immer: Wie setze ich dieses Wissen konkret ein? Als Faustformel gilt: Wer die Mietrendite und den Kaufpreisfaktor kennt, kann innerhalb von Sekunden einschätzen, ob ein Objekt grundsätzlich attraktiv ist — noch bevor er die Immobilien-Details kennt.

Schnell-Check: Jahresmiete ÷ Kaufpreis × 100 = Brutto-Mietrendite. Alles über 4 % ist interessant. Alles unter 3 % lebt von Wertsteigerung. Rechner nutzen →
Welcher Kaufpreisfaktor ist gut für Vermieter?

Faustformel: Unter 20 = renditeorientiert gut. 20–28 = Marktstandard. Über 30 = nur bei nachhaltigem Wachstumspotenzial vertretbar. Bei 4–5 % Zinsen ist ein Faktor über 25 ohne Wachstumspotenzial schwer zu rechtfertigen.

Kaufpreisfaktor-Tabelle: Was ist fair — was ist teuer?

Der Kaufpreisfaktor (auch: Vervielfältiger) zeigt, wie viele Jahresnettomieten ein Käufer für eine Immobilie bezahlt. Er ist das Gegenstück zur Bruttomietrendite und macht Objekte sofort vergleichbar — quer durch alle Lagen und Stadttypen.

KaufpreisfaktorBewertungBruttomietrenditeTypische Lage
unter 15×Sehr günstigüber 6,7 %Strukturschwache Regionen, hohes Leerstandsrisiko
15–20×Günstig, renditestark5,0–6,7 %C-Städte, Mittelstädte Ostdeutschland
20–25×Marktüblich4,0–5,0 %B-Städte, Speckgürtel A-Städte
25–30×Teuer, niedriger Cashflow3,3–4,0 %A-Städte (Hamburg, Frankfurt, Berlin)
30–40×Sehr teuer2,5–3,3 %München Innenstadt, Top-Lagen Berlin
über 40×Spekulationsniveauunter 2,5 %Maximallagen (Maxvorstadt, Mitte Premium)

Kaufpreisfaktor nach deutschen Städten (2026)

Aktuelle Kaufpreisfaktoren für ausgewählte deutsche Städte — basierend auf typischen Kaufpreisen und Nettokaltmieten für 70-m²-Wohnungen:

StadtKaufpreisfaktorBruttomietrenditeStadttyp
München32–45×2,2–3,1 %A-Stadt
Frankfurt26–35×2,9–3,8 %A-Stadt
Hamburg25–33×3,0–4,0 %A-Stadt
Berlin24–34×2,9–4,2 %A-Stadt
Stuttgart24–30×3,3–4,2 %A-Stadt
Düsseldorf22–28×3,6–4,5 %A-Stadt
Köln22–28×3,6–4,5 %A-Stadt
Hannover18–24×4,2–5,6 %B-Stadt
Leipzig17–25×4,0–5,9 %B-Stadt
Dresden16–22×4,5–6,3 %B-Stadt
Nürnberg18–24×4,2–5,6 %B-Stadt
Magdeburg12–18×5,6–8,3 %C-Stadt
Halle (Saale)13–19×5,3–7,7 %C-Stadt
Chemnitz10–15×6,7–10 %C-Stadt

Wie berechnet man den Kaufpreisfaktor?

Kaufpreisfaktor = Kaufpreis ÷ Jahresnettokaltmiete

Beispiel: Eine Wohnung kostet 350.000 Euro. Die monatliche Nettokaltmiete beträgt 1.100 Euro.

  • Jahresnettokaltmiete: 1.100 × 12 = 13.200 Euro
  • Kaufpreisfaktor: 350.000 ÷ 13.200 = 26,5×

Das bedeutet: Bei gleichbleibender Miete dauert es 26,5 Jahre, bis sich der Kaufpreis durch Mieteinnahmen refinanziert hat — ohne Kosten, Finanzierung oder Wertsteigerung. Berechne deinen Kaufpreisfaktor mit unserem Kaufpreisfaktor-Rechner.

Kaufpreisfaktor vs. Mietrendite: Was ist der Unterschied?

Beide Kennzahlen messen dasselbe — nur aus verschiedenen Blickwinkeln:

  • Kaufpreisfaktor 25× = Bruttomietrendite 4,0 %
  • Kaufpreisfaktor 20× = Bruttomietrendite 5,0 %
  • Kaufpreisfaktor 15× = Bruttomietrendite 6,7 %

Die Umrechnung: Bruttomietrendite ( %) = 100 ÷ Kaufpreisfaktor

Profis nutzen oft den Kaufpreisfaktor, weil er intuitiv ist: „Zahle ich 25 oder 30 Jahresmieten?“ ist leichter zu verstehen als ein Prozentsatz. Für die eigentliche Rentabilitätsentscheidung braucht man aber die Nettomietrendite, die auch Kaufnebenkosten, Verwaltung und Instandhaltung berücksichtigt.

Wann lohnt sich ein hoher Kaufpreisfaktor trotzdem?

Ein Kaufpreisfaktor über 30× klingt nach Überbezahlung — kann aber rational sein, wenn:

  • Starkes Wertsteigerungspotenzial: In München-Schwabing oder Berlin-Mitte ist Kapitalwachstum oft rentabler als laufende Mietrendite
  • Eigennutzung geplant: Bei Selbstnutzung spielt die Mietrendite keine direkte Rolle — Mietersparnis als kalkulatorische Rendite reicht
  • Niedrige Zinsen / Fremdkapitalhebel: Wenn Finanzierungskosten deutlich unter der Nettomietrendite liegen, ist auch ein höherer Faktor tragbar
  • Steuerliche Gestaltung: Hohe AfA-Abschreibungen können bei Denkmalimmobilien oder Neubauten den effektiven Kaufpreis reduzieren

Als Faustregel: Kaufpreisfaktoren über 30× erfordern ein klares Wertsteigerungs-Szenario oder einen strategischen Grund. Reiner Cashflow-Investor sollte unter 25× bleiben.