Eine Anlageimmobilie kaufen – das ist für viele der erste Schritt zu passivem Einkommen. Die wichtigste Frage: Wie berechnest du die Rendite so, dass du hinterher keine böse Überraschung erlebst?

Die vier Renditekennzahlen

Bei einer Anlageimmobilie gibt es vier relevante Kennzahlen – jede misst etwas anderes:

  • Bruttomietrendite: Jahresmiete / Kaufpreis × 100 – Schnellvergleich
  • Nettomietrendite: (Jahresmiete – Kosten) / Gesamtinvestition × 100 – Realcheck
  • Cashflow: Mieteinnahmen – alle Ausgaben inkl. Rate – Liquiditätscheck
  • Eigenkapitalrendite: Gesamtgewinn / eingesetztes EK × 100 – Effizienz des EK

Was „Gesamtinvestition" wirklich bedeutet

Viele berechnen die Rendite auf den Kaufpreis – das ist falsch. Die Gesamtinvestition umfasst:

Erfahrungswert: Eine Mietrendite unter 3 % lohnt sich in der Regel nur bei sehr starker Wertsteigerungserwartung. Zwischen 3–4 % ist das klassische „sicher, aber kein Selbstläufer". Ab 4,5 % Nettomietrendite beginnt echter Cashflow. In B- und C-Lagen findest du heute noch 5–7 % — aber nur, wenn du genau hinschaust.
  • Kaufpreis
  • Grunderwerbsteuer (3,5–6,5 %)
  • Notar + Grundbuch (ca. 1,5–2 %)
  • Maklerprovision (0–3,57 %)
  • Eventuelle Renovierung vor Erstbezug

In Summe kann das 8–15 % auf den Kaufpreis oben drauf sein.

Laufende Kosten nicht vergessen

Von der Nettomietrendite werden abgezogen:

  • Hausverwaltung (bei Wohnungseigentümergemeinschaft im Hausgeld, sonst separat)
  • Instandhaltungsrücklage (1–2 €/m²/Monat)
  • Leerstandsrisiko (4–8 % der Jahresmiete)
  • Versicherungen

Berechne beide Kennzahlen automatisch mit unserem Mietrendite-Rechner.

Typische Fallstricke

  • Kaufpreis schon bezahlt, Nebenkosten vergessen → Rendite überschätzt
  • Bestandsmiete zu hoch angesetzt (vereinbarte Nettomiete oft unter Markt)
  • Hausgeld nicht berücksichtigt (enthält nicht umlegbaren Anteil)

Mietrendite Richtwerte nach Markttyp 2024

MarkttypKPFBruttomietrenditeNettomietrendite (ca.)
A-Stadt Toplage30–452,2–3,3 %1,6–2,5 %
A-Stadt Randlage22–303,3–4,5 %2,5–3,5 %
B-Stadt Zentrum18–254,0–5,6 %3,0–4,3 %
C-Stadt / Mittelstadt14–205,0–7,1 %3,8–5,5 %
Strukturschwache Lage8–147,1–12,5 %4,5–8,0 %

Rechenbeispiel: Mietrendite schritt für schritt

Kaufpreis: 280.000 € | Kaltmiete: 950 €/Monat

Bruttomietrendite = (950 × 12) ÷ 280.000 = 4,07 %

Kosten (Hausgeld, Verwaltung, Rücklagen ca. 25 % der Miete): abzuziehen

Nettomietrendite ca. 3,05 %

Was die Nettomietrendite wirklich schmälert

  • Nicht umlegbares Hausgeld: Verwalter, Instandhaltung, Rücklagen (1,50–3,00 €/m²/Monat)
  • Leerstandsrisiko: 1–2 Monatsmieten/Jahr einplanen
  • Kleinreparaturen: Faustregel 10 €/m²/Jahr für ältere Objekte
  • Steuer: Mieteinnahmen mit persönlichem Steuersatz versteuern
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Häufige Fragen

Was ist eine gute Mietrendite in Deutschland?

Für Kapitalanleger gilt: Nettomietrendite über 3,5 % ist gut, über 5 % sehr gut. In Metropolen (München, Berlin) sind 2,5–3 % Realität — dort zählt mehr die Wertsteigerung.

Wie unterscheidet sich Brutto- von Nettomietrendite?

Bruttomietrendite ignoriert alle Kosten. Nettomietrendite zieht laufende Kosten ab. Für echte Vergleiche immer die Nettomietrendite nutzen.

Ab welchem KPF ist eine Immobilie ein gutes Investment?

KPF unter 22 gilt als renditeorientiert, über 30 als wertsteigerungsorientiert. KPF Rechner →

Anlageimmobilie: Der vollständige Guide für Kapitalanleger

Eine Anlageimmobilie unterscheidet sich grundlegend von einer Eigennutzungsimmobilie. Hier zählen Zahlen, Fakten und Rendite — nicht emotionale Bindung oder persönliche Präferenzen.

Was eine gute Anlageimmobilie ausmacht

KriteriumIdeal für KapitalanlageEher für Eigennutzung
Größe2-3 Zimmer (50-80 m²)4-5 Zimmer (über 100 m²)
LageUni-Nähe, ÖPNV, ArbeitsplatznäheRuhige Randlage, Garten
BaujahrSanierter Altbau oder NeubauBestand in gutem Zustand
EnergieeffizienzMind. Klasse C (keine Sanierungspflicht)Flexibler
HausgeldNiedrig, gute RücklagenbildungEgal
WEG-StrukturProfessionelle Verwaltung, harmonische WEGSelbstverwaltung ok

Die wichtigsten Kennzahlen für Anlageimmobilien

  • Bruttomietrendite: Jahresmiete / Kaufpreis × 100. Faustregel: Über 4,5 % ist gut
  • Nettomietrendite: Nach Hausgeld (nicht umlegbar), Instandhaltung. Über 3 % anstreben
  • Kaufpreisfaktor: Kaufpreis / Jahreskaltmiete. Unter 25 bevorzugen
  • Monatlicher Cashflow: Mieteinnahmen minus alle Ausgaben inkl. Finanzierung
  • Eigenkapitalrendite: Gesamtgewinn p.a. / eingesetztes EK. Ziel: 6-12 %

Anlageimmobilien-Typen im Vergleich

TypVorteilNachteil
ETW in BestandGünstig, sofortige MieteinnahmenWEG-Abhängigkeit
Neubau-ETWAfA 3 %, kein Sanierungs-RisikoTeurer Kaufpreis
MehrfamilienhausKeine WEG, besser skalierbarHöheres Kapital, mehr Verantwortung
DenkmalschutzHohe AfA für HochverdienerAuflagen, teurer Unterhalt
GewerbeimmobilieHöhere Rendite möglichHöheres Leerstandsrisiko, komplexer

Der ideale Anlageprozess: Kurzversion

  1. Renditeziel festlegen (Cashflow, Wertsteigerung oder beides)
  2. Budget und Finanzierungsrahmen klären
  3. Zielregion analysieren (KPF, Mietrendite, Wachstum)
  4. 20+ Objekte screenen, 5-10 besichtigen
  5. Due Diligence: WEG, Gutachter, Mietrecht
  6. Verhandeln, kaufen, verwalten

FAQ: Anlageimmobilie Guide

Was ist eine Anlageimmobilie und wie unterscheidet sie sich von Eigennutz?

Anlageimmobilie = Immobilie zum Zweck der Renditeerzielung durch Vermietung. Hauptunterschied: Kaufentscheidung basiert auf Zahlen (Rendite, Cashflow, KPF), nicht Emotionen (Traumküche, Lieblingsstad). Steuerlich: alle Kosten als Werbungskosten absetzbar. Psychologisch: du verwaltest ein Business, keine Heimat.

Wie finde ich eine gute Anlageimmobilie?

Systematischer Prozess: 1) Markt definieren (Stadt, KPF-Grenze), 2) Filter auf Immoscout: Kauf, KPF-Rechner nutzen, 3) 20–30 Objekte screenen, 10–15 rechnen, 5 besichtigen, 1–2 kaufen. Tools: ImmobilienScout24 Renditerechner, Kaufpreisfaktor-Filter, AirDNA für Kurzzeitvermietungspotenzial. Netzwerk: lokale Investoren-Stammtische für Off-Market-Deals.

Was sind die wichtigsten Qualitätskriterien bei einer Anlageimmobilie?

Unverzichtbar: gute ÖPNV-Anbindung (Bus/Bahn in <10 Min), stabile Mietnachfrage (Uni-Nähe, Arbeitgeber), solider Zustand oder klarer Sanierungsplan, keine versteckten Mängel (Feuchte, Schimmel, Statik). Wichtig: Hausgeld-Höhe und Rücklagenstand, WEG-Protokolle, Miethistorie. Nice-to-have: Stellplatz, Balkon, Keller erhöhen Vermietbarkeit.