Theorie ist gut – Praxis ist besser. Hier rechne ich eine echte Berliner Wohnung komplett durch: Bruttomietrendite, Nettomietrendite, Cashflow und Eigenkapitalrendite.

Die Ausgangslage

  • Objekt: 2-Zimmer-Wohnung, 58 m², Neukölln (Berlin)
  • Kaufpreis: 290.000 €
  • Kaltmiete aktuell: 950 €/Monat (16,38 €/m²)
  • Zustand: gut, 2005 erbaut
  • Hausgeld: 280 €/Monat (davon 120 € nicht umlegbar)

Schritt 1: Kaufnebenkosten berechnen

  • Grunderwerbsteuer Berlin (6,0 %): 17.400 €
  • Notar + Grundbuch (ca. 1,7 %): 4.930 €
  • Makler (3,57 %): 10.353 €
  • Kaufnebenkosten gesamt: 32.683 €
  • Gesamtinvestition: 322.683 €

Schritt 2: Bruttomietrendite

Jahreskaltmiete: 950 × 12 = 11.400 €

Bruttomietrendite: 11.400 / 290.000 × 100 = 3,93 %

Schritt 3: Nettomietrendite

Jährliche Kosten:

Erfahrungswert: Eine Mietrendite unter 3 % lohnt sich in der Regel nur bei sehr starker Wertsteigerungserwartung. Zwischen 3–4 % ist das klassische „sicher, aber kein Selbstläufer". Ab 4,5 % Nettomietrendite beginnt echter Cashflow. In B- und C-Lagen findest du heute noch 5–7 % — aber nur, wenn du genau hinschaust.
  • Nicht umlegbares Hausgeld: 120 × 12 = 1.440 €
  • Instandhaltungsrücklage (privat): 0 € (WEG übernimmt)
  • Verwaltung (WEG): im Hausgeld enthalten
  • Leerstandsrücklage (1 Monat): 950 €
  • Gesamtkosten: 2.390 €

Netto-Jahreseinnahmen: 11.400 – 2.390 = 9.010 €

Nettomietrendite: 9.010 / 322.683 × 100 = 2,79 %

Schritt 4: Cashflow bei Finanzierung

Eigenkapital: 80.000 €, Darlehen: 242.683 €

Annuität bei 4,0 % Zins + 2,0 % Tilgung: 1.213 €/Monat

Monatliche Gesamtausgaben: 1.213 + 120 + 79 (Leerstand ÷ 12) = 1.412 €

Cashflow: 950 – 1.412 = –462 €/Monat

Fazit

Diese Berliner Wohnung hat eine schwache Nettomietrendite und stark negativen Cashflow. Sie könnte sich über langfristige Wertsteigerung und Steuervorteile trotzdem rechnen – aber nur mit ausreichend Liquiditätspuffer. In Leipzig bekommst du für 290.000 € deutlich mehr Rendite.

Mietrendite Richtwerte nach Markttyp 2024

MarkttypKPFBruttomietrenditeNettomietrendite (ca.)
A-Stadt Toplage30–452,2–3,3 %1,6–2,5 %
A-Stadt Randlage22–303,3–4,5 %2,5–3,5 %
B-Stadt Zentrum18–254,0–5,6 %3,0–4,3 %
C-Stadt / Mittelstadt14–205,0–7,1 %3,8–5,5 %
Strukturschwache Lage8–147,1–12,5 %4,5–8,0 %

Rechenbeispiel: Mietrendite schritt für schritt

Kaufpreis: 280.000 € | Kaltmiete: 950 €/Monat

Bruttomietrendite = (950 × 12) ÷ 280.000 = 4,07 %

Kosten (Hausgeld, Verwaltung, Rücklagen ca. 25 % der Miete): abzuziehen

Nettomietrendite ca. 3,05 %

Was die Nettomietrendite wirklich schmälert

  • Nicht umlegbares Hausgeld: Verwalter, Instandhaltung, Rücklagen (1,50–3,00 €/m²/Monat)
  • Leerstandsrisiko: 1–2 Monatsmieten/Jahr einplanen
  • Kleinreparaturen: Faustregel 10 €/m²/Jahr für ältere Objekte
  • Steuer: Mieteinnahmen mit persönlichem Steuersatz versteuern
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Häufige Fragen

Was ist eine gute Mietrendite in Deutschland?

Für Kapitalanleger gilt: Nettomietrendite über 3,5 % ist gut, über 5 % sehr gut. In Metropolen (München, Berlin) sind 2,5–3 % Realität — dort zählt mehr die Wertsteigerung.

Wie unterscheidet sich Brutto- von Nettomietrendite?

Bruttomietrendite ignoriert alle Kosten. Nettomietrendite zieht laufende Kosten ab. Für echte Vergleiche immer die Nettomietrendite nutzen.

Ab welchem KPF ist eine Immobilie ein gutes Investment?

KPF unter 22 gilt als renditeorientiert, über 30 als wertsteigerungsorientiert. KPF Rechner →

Berlin Mietrendite: Vollständige Beispielrechnung

Berlin ist eine der meistdiskutierten Investitions-Städte Deutschlands. Hohe Kaufpreise stehen gegen starke Nachfrage und Wertsteigerungspotenzial. Diese Beispielrechnung zeigt, was eine Berliner ETW einem Anleger tatsächlich bringt.

Objektdaten: 2-Zimmer-Wohnung Neukölln

PositionWert
LageBerlin-Neukölln, 60 m², 3. OG, Baujahr 1930, saniert 2015
Kaufpreis320.000 €
Kaufnebenkosten Berlin (9 %)28.800 €
Gesamtinvestition348.800 €
Kaltmiete aktuell1.050 €/Monat
Kaufpreisfaktor25,4
Bruttomietrendite3,94 %

Monatliche Cashflow-Rechnung

PositionBetrag/Monat
Kaltmiete+1.050 €
Zinsen (3,6 % auf 260.000 € FK)-780 €
Tilgung (2 %)-433 €
Nicht umlegbares Hausgeld (geschätzt)-130 €
Instandhaltung (1 % KP)-267 €
Cashflow vor Steuer-560 €
AfA-Steuerersparnis (2 % × 256k × 42 %)+179 €
Zins-Steuerersparnis (780 € × 42 %)+328 €
Cashflow nach Steuer-53 €

Gesamtrendite nach 10 Jahren

PositionWert
EK-Einsatz gesamt (60k + Nebenkosten + Zuzahlung)ca. 100.000 €
Immobilienwert nach 10 Jahren (3 % Steigerung p.a.)ca. 430.000 €
Restschuldca. 206.000 €
Nettovermögen224.000 €
Rendite auf EK+124 % in 10 Jahren

Trotz anfangs negativem Cashflow — wegen AfA und Steuervorteil praktisch neutral — ergibt sich eine hervorragende Gesamtrendite durch Berlins Wertsteigerungspotenzial.

FAQ: Beispielrechnung Berlin

Wie sieht eine konkrete Renditerechnung für eine Berliner Wohnung aus?

Beispiel: 60 m² in Neukölln. Kaufpreis 300.000 €, Kaltmiete 800 €/Monat. Bruttorendite: 9.600/300.000 = 3,2 %. Nebenkosten: 30.000 €. Nettomietrendite: (9.600−3.600 Kosten)/(330.000) = 1,8 %. Mit 80.000 € EK + 250.000 € Kredit (3,5 %): Annuität 1.320 €/Monat — negativer Cashflow von −520 €/Monat.

Wann wird eine Berliner Wohnung cashflow-positiv?

In Berlin fast unmöglich bei heutigen Preisen und Zinsen. Selbst mit 40 % Eigenkapital (KPF 30, 800 € Kaltmiete) und 180.000 € Kredit bei 3,5 %: Annuität 950 €. Hausgeld nicht umlagefähig 150 €, Instandhaltung 60 €. Gesamt: 1.160 €/Monat Kosten vs. 800 € Miete = −360 €/Monat. Nur durch hohe Wertsteigerung sinnvoll.

Welche Berliner Wohnung wäre cashflow-positiv?

Cashflow-positiv in Berlin: nur in Außenbezirken (Marzahn, Spandau) mit KPF unter 20 und sehr niedrigen Hausgeldkosten. Beispiel: 60 m² Marzahn, 165.000 € (KPF 18), 750 € Kaltmiete, 40 % EK = 66.000 € EK, 99.000 € Kredit, Annuität 524 €. Hausgeld NK 120 €, Instandhaltung 60 €: Cashflow = 750 − 704 = +46 €/Monat.