Neubau vs. Bestandsimmobilien: Was lohnt sich mehr?

Die Frage "Neubau oder Bestand?" ist eine der grundlegendsten Entscheidungen beim Immobilienkauf. Es gibt keine universell richtige Antwort – beide haben Vor- und Nachteile, je nach Investorenprofil, Kapitallage und Renditeziel. Dieser Ratgeber vergleicht systematisch.

Preisvergleich: Was kostet was?

ParameterNeubauBestand (20–40 Jahre)Bestand (40+ Jahre)
Kaufpreis €/m² (Beispiel B-Stadt)4.500–6.0002.800–3.8001.800–2.800
Sofortiger Sanierungsbedarfkeinergering–mittelmittel–hoch
Instandhaltungsrücklage nötigwenig (erste 10 J.)mittelhoch
EnergieeffizienzA/A+ (GEG 2024)C/D typischD/E/F typisch
Bruttorendite3,0–4,0 %4,0–5,5 %5,0–7,0 %

Steuervorteile: Neubau hat einen entscheidenden Vorteil

§ 7b EStG: Sonderabschreibung Neubau

Seit 2023 gibt es für neue Mietwohngebäude eine degressive AfA von 5 % pro Jahr auf die Anschaffungskosten (statt 2 % linear für Altbau). Das bedeutet:

  • Neubau 500.000 € Anschaffungskosten: 25.000 € AfA p.a. in den ersten Jahren
  • Altbau 400.000 € Anschaffungskosten: 8.000 € AfA p.a. (2 % linear)
  • Steuerlicher Unterschied: 17.000 € weniger zu versteuerndes Einkommen

Bei 42 % Steuersatz: ca. 7.140 € Steuerersparnis p.a. mehr beim Neubau. Das verbessert die effektive Rendite erheblich. AfA Abschreibung im Detail →

Rendite-Vergleich: Direkter Head-to-Head

Beispiel: Gleiche Stadt, zwei Objekte (70 m²):

Neubau vs. Bestandsimmobilien: Was lohnt sich mehr als Kapitalanlage?
ParameterNeubauBestand (30J.)
Kaufpreis350.000 €245.000 €
Nebenkosten (BW 7 %)24.500 €17.150 €
Gesamtinvestition374.500 €262.150 €
Kaltmiete monatlich1.050 € (15 €/m²)840 € (12 €/m²)
Jahreskaltmiete12.600 €10.080 €
Bruttorendite3,36 %3,85 %
Instandhaltung p.a.350 € (5 €/m²)1.050 € (15 €/m²)
Nettomietrenditeca. 2,7 %ca. 3,1 %
AfA-Ersparnis (42 % Steuer)+7.350 €+2.058 €
Effektive Rendite nach Steuerca. 4,5–5,0 %ca. 3,5–4,0 %

→ Neubau schlägt Bestand durch AfA-Steuerersparnis – wenn hoher Steuersatz vorhanden

Wann ist Neubau besser?

  • Hoher persönlicher Steuersatz (42 % oder 45 %)
  • Kein Budget/Zeit für Sanierungen
  • Langfristige Haltestrategie (Buy & Hold, 20+ Jahre)
  • Risiko-Aversion: Keine bösen Überraschungen beim Zustand
  • Energetische Zukunftssicherheit wichtig (GEG, F/G-Risiko vermeiden)

Wann ist Bestand besser?

  • Höherer laufender Cashflow gewünscht
  • Sanierungskompetenz vorhanden (Fix & Flip oder Value-Add)
  • Budget begrenzt: Niedrigere Einstiegskosten
  • Gute Lage zu günstigem Preis gefunden
  • Niedriger Steuersatz: AfA-Vorteil Neubau kleiner

Checkliste: Neubau kaufen

  • ☐ Bauträger-Bonität geprüft (Insolvenzrisiko!)
  • ☐ Baubeschreibung detailliert gelesen?
  • ☐ Fertigstellungs-Garantie mit Konventionalstrafe?
  • ☐ Mietgarantie des Bauträgers (oft 2 Jahre) kritisch geprüft?
  • ☐ Lage und Mikro-Standort unabhängig bewertet?
  • ☐ Vergleichsmieten der Umgebung recherchiert?

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Tipp: KfW-Förderung kann bei energetischen Sanierungen oder Neubau-Projekten die Finanzierungskosten erheblich senken.

FAQ: Neubau vs. Bestand

Ist Neubau oder Altbau rentabler?
Pauschal schwer zu sagen. Mit hohem Steuersatz ist Neubau durch Sonder-AfA oft besser. Ohne Steueroptimierungsziel ist Bestand oft cashflow-stärker. Immer konkret durchrechnen.

Was ist die neue degressive AfA für Neubau?
§ 7b EStG erlaubt seit 2023 5 % degressive Abschreibung für neue Wohngebäude (ab 2023 Baubeginn). Das ist deutlich mehr als 2 % linear für Altbau.

Welche Risiken hat Neubau beim Bauträger-Kauf?
Hauptrisiken: Bauträger-Insolvenz (daher Bonitäts-Check), Bauverzögerung, Qualitätsmängel bei Fertigstellung. Konventionalstrafen und Sicherheitsleistungen im Kaufvertrag absichern.

Muss man beim Altbau immer sanieren?
Nicht sofort, aber mittelfristig ja. GEG 2024: Neue Heizungen müssen 65 % Erneuerbare. F/G-Gebäude haben erhöhtes Risiko für Pflicht-Sanierungen bis 2030.