Mietausfallversicherung: Schutz vor dem Worst Case
Jeder Vermieter kennt die Angst: Was, wenn der Mieter nicht zahlt? Oder einfach auszieht und die Wohnung verwüstet? Eine Mietausfallversicherung verspricht Schutz — aber die Leistungen sind sehr unterschiedlich, und viele Policen haben Lücken, die Vermieter nicht kennen. Dieser Ratgeber erklärt alles Wichtige.
Was leistet eine Mietausfallversicherung?
Je nach Anbieter und Tarif können folgende Risiken abgesichert werden:

| Leistung | Standard | Premium |
|---|---|---|
| Mietausfall bei Zahlungsunfähigkeit des Mieters | ✓ (mit Wartezeit) | ✓ |
| Mietausfall bei Leerstand nach Kündigung | oft nicht | manchmal |
| Räumungskosten | manchmal | ✓ |
| Schäden durch Mieter (über Kaution hinaus) | manchmal | ✓ |
| Rechtskosten für Räumungsklage | manchmal | ✓ |
| Vandalismus-Schäden | selten | manchmal |
Was kostet eine Mietausfallversicherung?
Typische Prämien (Stand 2024):
- Einfache Versicherung: 2–4 % der Jahreskaltmiete
- Umfassendere Pakete: 4–8 % der Jahreskaltmiete
- Beispiel: Jahresmiete 10.800 € → Prämie 216–864 €/Jahr
Anbieter im Vergleich: Haufe-Versicherung, SV SparkassenVersicherung, Helvetia, GEV Versicherung, Baloise. Immer Kleingedrucktes vergleichen!
Kritische Punkte in den Bedingungen
Auf diese Klauseln unbedingt achten:
- Wartezeit: Viele Policen zahlen erst nach 3–6 Monaten Mietausfall. In dieser Zeit sind Sie auf sich allein gestellt
- Höchstleistungsdauer: Meist 6–18 Monate Ersatz — dann Leistung eingestellt
- Bonitätsprüfung Pflicht: Haben Sie keine SCHUFA des Mieters eingeholt, kann die Versicherung die Leistung verweigern
- Eigenkündigung ausgeschlossen: Wenn Sie als Vermieter kündigen, kein Mietausfallschutz
- Eigenbedarfskündigung: Nicht versichert
- Schäden über Kaution: Oft eigener Deckungsabschnitt mit separater Selbstbeteiligung
Sinnvoll oder nicht? Eine ehrliche Abwägung
Die Mietausfallversicherung lohnt sich vor allem in diesen Szenarien:
- Sozialer Brennpunkt — höhere statistische Ausfallwahrscheinlichkeit
- Erstvermieter ohne Erfahrung mit Mieterauswahl
- Einzelimmobilien-Eigentümer ohne Cash-Puffer (keine diversifizierte Basis)
- Hochpreisige Immobilien, bei denen Mietausfall empfindlich schmerzt
Weniger sinnvoll:
- Bei guter Mieterauswahl (SCHUFA, Gehaltsnachweise, Vorvermietungsreferenzen)
- Bei mehreren Objekten (Diversifikation schützt besser als Versicherung)
- Bei günstigen Wohnlagen mit geringem Leerstandsrisiko
Mietausfallvorbeugung: Besser als Versicherung
Die wirkungsvollsten Maßnahmen gegen Mietausfall sind präventiver Natur:
- ☑ SCHUFA-Bonitätsauskunft des Mieters einholen (Kostenlos über Vermieter-Portale)
- ☑ Drei Gehaltsabrechnungen prüfen (Miete max. 35 % des Nettoeinkommens)
- ☑ Vorvermietungsreferenz beim alten Vermieter einholen
- ☑ Kaution vollständig und korrekt vereinbaren (Details)
- ☑ Bei ersten Anzeichen (Rückstand 2 Wochen): sofort ansprechen, nicht abwarten
- ☑ Zahlungsverzug fristgerecht abmahnen (Grundlage für Kündigung)
Was kostet ein Mietausfall wirklich?
Rechenbeispiel: Miete 900 €/Monat, Räumungsklage, Leerstand bis Neuvermietung:
- Mietausfall 6 Monate: 5.400 €
- Anwalts- und Gerichtskosten Räumungsklage: 1.500–3.000 €
- Renovierung Mieterschäden: 2.000–8.000 €
- Leerstand Neuvermietung (2 Monate): 1.800 €
- Gesamtschaden: 10.700–18.200 €
Bei diesem Szenario wäre eine Versicherungsprämie von 360 €/Jahr (= 3% der Jahreskaltmiete) eine günstige Absicherung. Voraussetzung: Die Police zahlt in diesem Szenario wirklich.
Für Renditechecks: Nettomietrendite-Rechner. Versicherungsüberblick: Wohngebäudeversicherung.
Gibt es eine Mietausfallversicherung ohne Wartezeit?
Einige Premiumanbieter (z. B. Vermietet.de, Haufe Mietnomadenversicherung) bieten verkürzte Wartezeiten. Null-Wartezeit ist selten und teurer. Bei Vertragsabschluss Wartezeit explizit erfragen.
Können Mietausfallversicherungs-Prämien steuerlich abgesetzt werden?
Ja — bei vermieteten Wohnungen sind die Versicherungsprämien als Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung vollständig absetzbar (§ 9 EStG).
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