Viele Anzeigen werben mit einer Mietrendite von 5 % oder mehr. Was dabei oft verschwiegen wird: Es handelt sich meistens um die Bruttomietrendite (finanzen.net) – und die sagt nur die halbe Wahrheit. Hier erfährst du, was der Unterschied wirklich bedeutet.

Bruttomietrendite: Die Vereinfachung

Die Bruttomietrendite berechnet sich aus Jahreskaltmiete und Kaufpreis:

Bruttomietrendite = (Jahreskaltmiete / Kaufpreis) × 100

Sie lässt sich schnell berechnen und eignet sich als erster Vergleichswert. Kaufnebenkosten, Verwaltungskosten und Instandhaltung werden dabei aber komplett ignoriert.

Nettomietrendite: Die Realität

Die Nettomietrendite berücksichtigt alle realen Kosten:

Erfahrungswert: Eine Mietrendite unter 3 % lohnt sich in der Regel nur bei sehr starker Wertsteigerungserwartung. Zwischen 3–4 % ist das klassische „sicher, aber kein Selbstläufer". Ab 4,5 % Nettomietrendite beginnt echter Cashflow. In B- und C-Lagen findest du heute noch 5–7 % — aber nur, wenn du genau hinschaust.

Nettomietrendite = ((Jahresmiete – Kosten) / Gesamtinvestition) × 100

Gesamtinvestition = Kaufpreis + alle Kaufnebenkosten (Notar, Grunderwerbsteuer, Makler).

Abgezogen werden: Hausverwaltung, Instandhaltungsrücklage, nicht umlegbare Betriebskosten.

Konkretes Beispiel

Wohnung, 70 m², Kaufpreis 280.000 €, Kaltmiete 950 €/Monat:

  • Bruttomietrendite: (11.400 / 280.000) × 100 = 4,07 %
  • Kaufnebenkosten (8,5 %): 23.800 €
  • Gesamtinvestition: 303.800 €
  • Kosten/Jahr: Verwaltung 360 € + Instandhaltung 1.008 € = 1.368 €
  • Netto-Jahreseinnahme: 11.400 – 1.368 = 10.032 €
  • Nettomietrendite: (10.032 / 303.800) × 100 = 3,30 %

Der Unterschied: fast ein ganzer Prozentpunkt. Das ist erheblich.

Was die meisten Verkäufer angeben

In Exposés und Anzeigen wird fast immer die Bruttomietrendite genannt – weil sie höher klingt. Wenn du also eine „Rendite 5 %" in einem Angebot siehst, rechne selbst nach: Die Nettomietrendite liegt wahrscheinlich bei 3,5–4 %.

Wann reicht die Bruttomietrendite?

Als schneller Vorfilter beim Vergleich mehrerer Objekte ist die Bruttomietrendite praktisch. Wenn du entscheidest, ob du ein konkretes Angebot kaufst, nimm immer die Nettomietrendite als Entscheidungsgrundlage.

Unser Nettomietrendite-Rechner berechnet beide Werte gleichzeitig – einfach Zahlen eingeben und vergleichen.

Mietrendite Richtwerte nach Markttyp 2024

MarkttypKPFBruttomietrenditeNettomietrendite (ca.)
A-Stadt Toplage30–452,2–3,3 %1,6–2,5 %
A-Stadt Randlage22–303,3–4,5 %2,5–3,5 %
B-Stadt Zentrum18–254,0–5,6 %3,0–4,3 %
C-Stadt / Mittelstadt14–205,0–7,1 %3,8–5,5 %
Strukturschwache Lage8–147,1–12,5 %4,5–8,0 %

Rechenbeispiel: Mietrendite schritt für schritt

Kaufpreis: 280.000 € | Kaltmiete: 950 €/Monat

Bruttomietrendite = (950 × 12) ÷ 280.000 = 4,07 %

Kosten (Hausgeld, Verwaltung, Rücklagen ca. 25 % der Miete): abzuziehen

Nettomietrendite ca. 3,05 %

Was die Nettomietrendite wirklich schmälert

  • Nicht umlegbares Hausgeld: Verwalter, Instandhaltung, Rücklagen (1,50–3,00 €/m²/Monat)
  • Leerstandsrisiko: 1–2 Monatsmieten/Jahr einplanen
  • Kleinreparaturen: Faustregel 10 €/m²/Jahr für ältere Objekte
  • Steuer: Mieteinnahmen mit persönlichem Steuersatz versteuern
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Häufige Fragen

Was ist eine gute Mietrendite in Deutschland?

Für Kapitalanleger gilt: Nettomietrendite über 3,5 % ist gut, über 5 % sehr gut. In Metropolen (München, Berlin) sind 2,5–3 % Realität — dort zählt mehr die Wertsteigerung.

Wie unterscheidet sich Brutto- von Nettomietrendite?

Bruttomietrendite ignoriert alle Kosten. Nettomietrendite zieht laufende Kosten ab. Für echte Vergleiche immer die Nettomietrendite nutzen.

Ab welchem KPF ist eine Immobilie ein gutes Investment?

KPF unter 22 gilt als renditeorientiert, über 30 als wertsteigerungsorientiert. KPF Rechner →

Nettomietrendite vs. Bruttomietrendite: Der entscheidende Unterschied

Beide Kennzahlen messen die Ertragskraft einer Immobilie — aber sie liefern sehr unterschiedliche Ergebnisse. Wer nur die Bruttomietrendite betrachtet, überschätzt seine tatsächlichen Erträge systematisch.

Definition und Formel

KennzahlFormelEnthält
BruttomietrenditeJahreskaltmiete / Kaufpreis × 100Nur Miete vs. Kaufpreis
Nettomietrendite(Jahreskaltmiete − Bewirtschaftungskosten) / (Kaufpreis + Nebenkosten) × 100Alle relevanten Kosten

Wie groß ist der Unterschied? Konkrete Zahlen

Beispiel: ETW 250.000 €, Kaltmiete 850 €/Monat

BerechnungBruttomietrenditeNettomietrendite
Jahreskaltmiete10.200 €10.200 €
Kaufnebenkosten (9 %)Nicht einberechnet−22.500 € (zu 272.500 €)
Bewirtschaftungskosten (25 %)Nicht einberechnet−2.550 €
Basis250.000 €272.500 €
Ergebnis4,08 %2,81 %

Der Unterschied beträgt 1,27 Prozentpunkte — das klingt wenig, ist aber bei Finanzierungsentscheidungen erheblich.

Wann welche Kennzahl verwenden?

AnwendungsfallEmpfohlene Kennzahl
Erstes schnelles Screening (viele Objekte)Bruttomietrendite
Vergleich zwischen verschiedenen ObjektenBeide — aber auf gleicher Basis
Entscheidung ob Objekt kaufenswertNettomietrendite
Cashflow-PlanungNettomietrendite + Finanzierungskosten
Kommunikation mit SteuerberaterNettomietrendite

Typische Abweichung Brutto → Netto nach Regionen

RegionBruttomietrenditeTypische NettomietrenditeDifferenz
München (A-Stadt)2,5-3,0 %1,5-2,0 %~1,0 %
Hamburg (A-Stadt)3,0-3,8 %2,0-2,7 %~1,0 %
Hannover (B-Stadt)4,0-5,0 %2,8-3,5 %~1,3 %
Dortmund (B/C-Stadt)5,0-6,5 %3,5-4,5 %~1,5-2,0 %

FAQ: Netto vs. Brutto Mietrendite

Was ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettomietrendite?

Bruttomietrendite = Jahreskaltmiete / Kaufpreis × 100. Nettomietrendite zieht alle laufenden Kosten ab: Hausgeld (nicht umlagefähig), Instandhaltungsrücklage, Verwaltung und Leerstand. Netto liegt typischerweise 1,5–2,5 Prozentpunkte unter Brutto.

Welche Rendite ist realistischer für Investitionsentscheidungen?

Immer Nettomietrendite verwenden! Brutto klingt besser, täuscht aber. Ein Objekt mit 5 % Brutto und hohem Hausgeld (z.B. 35 % umlagefähige Kosten) hat nur noch 3,25 % Netto — unter dem Kreditzins, also negativer Cashflow. Entscheidung: immer auf Netto.

Wie berechne ich die Nettomietrendite?

Nettomietrendite = (Jahreskaltmiete − nicht umlagefähige Kosten) / (Kaufpreis + Kaufnebenkosten) × 100. Nicht umlagefähig sind typisch: Verwaltungskosten (800–1.200 €/Jahr), Instandhaltung (10–15 €/m²/Jahr), Rücklagen. Bei 70 m², 150 €/m² Kaufpreis und 750 € Kaltmiete: Netto ca. 3,8 %.

Weiterführend: Mietrendite berechnen — Schritt-für-Schritt