Was ist die Grundsteuer?

Die Grundsteuer ist eine kommunale Steuer auf Grundstücke und Gebäude. Sie wird jährlich erhoben und ist für jeden Eigentümer eines Grundstücks oder einer Immobilie Pflicht. Die Reform ab 2025 verändert die Berechnungsgrundlagen grundlegend — weg von den veralteten Einheitswerten, hin zu aktuellen Bodenrichtwerten und Gebäudewerten.

Grundsteuer berechnen: Neue Grundsteuerreform 2025 einfach erklärt

Grundsteuer: Alte vs. neue Berechnung

ElementAlt (bis 2024)Neu (ab 2025)
BewertungsbasisEinheitswerte (1964/1935)Bodenrichtwert + Gebäudewert aktuell
Steuermesszahl0,26–0,35 % (je nach Typ)0,034 % (Grundmodell, variiert je Bundesland)
HebesatzKommune legt fest (200–900 %)Bleibt kommunal (mit "Aufkommensneutralität")
Grundlage BerechnungEinheitswert × Steuermesszahl × HebesatzGrundsteuerwert × Steuermesszahl × Hebesatz

Die Formel: So berechnet sich die Grundsteuer

Die Grundsteuer berechnet sich in drei Schritten:

Praxis-Tipp: Rechne immer mit der Nettomietrendite, nicht mit der Bruttomietrendite. Erfahrene Investoren kalkulieren mindestens 2 €/m² Instandhaltung pro Monat und 5–10 % Mietausfall-Reserve ein. Wer das vergisst, rechnet sich die Investition schön.
  1. Grundsteuerwert (Bewertung): Wird vom Finanzamt festgestellt — basiert auf Bodenrichtwert, Grundstücksfläche, Gebäudeart, Alter und Nettokaltmiete. Du hast 2022–2023 eine Erklärung abgegeben, daraus folgte ein Grundsteuerwertbescheid.
  2. Steuermessbetrag: Grundsteuerwert × Steuermesszahl. Beispiel: 200.000 € × 0,034 % = 68 € Steuermessbetrag.
  3. Grundsteuer: Steuermessbetrag × Hebesatz der Gemeinde. Beispiel: 68 € × 450 % = 306 € Grundsteuer/Jahr.

Steuermesszahlen nach Bundesland (ab 2025)

Acht Bundesländer haben eigene Modelle mit abweichenden Steuermesszahlen verabschiedet ("Länderöffnungsklausel"). Die wichtigsten:

BundeslandModellSteuermesszahl Wohngebäude
BayernFlächenmodellKeine Steuermesszahl — pauschaler Äquivalenzansatz
Baden-WürttembergModifiziertes Bodenwertmodell1,30 ‰ (nur Boden)
HamburgWohnlagemodell0,034 % (+ Lageabschlag bis 25 %)
NiedersachsenFlächen-Lage-ModellEigenständige Berechnung
Alle anderenBundesmodell0,034 % (Wohngebäude), 0,034 % (Nicht-Wohn)

Hebesätze: Die kommunale Stellschraube

Der Hebesatz ist das Instrument der Gemeinden. Er liegt bundesweit im Durchschnitt bei rund 400–500 %, in Großstädten oft höher:

Der Hebesatz hat keine Obergrenze per Gesetz. Einige Kommunen haben ihn nach der Reform deutlich erhöht, um Steuerausfälle zu kompensieren — trotz der politisch versprochenen "Aufkommensneutralität".

Grundsteuer als Betriebskosten auf den Mieter umlegen

Die Grundsteuer ist eine umlagefähige Betriebskostenart nach § 2 Nr. 1 BetrKV. Das bedeutet: Als Vermieter kannst du die Grundsteuer vollständig auf den Mieter umlegen, wenn dein Mietvertrag eine Betriebskostenklausel enthält. Voraussetzungen:

  • Mietvertrag enthält Betriebskostenvereinbarung (§ 2 BetrKV oder Einzelauflistung)
  • Jährliche Abrechnung mit Belegeinsichtsrecht für Mieter
  • Umlage nach Wohnfläche (Regelfall) oder anderen vereinbarten Schlüsseln

Tipp: Grundsteuer-Vorauszahlung realistisch kalkulieren — zu niedrige Vorauszahlungen führen zu hohen Nachzahlungen und Mieterärger. Den Nettomietrendite-Rechner nutzen, um Grundsteuer in die Kalkulation einzubeziehen.

Was tun, wenn der Grundsteuerwertbescheid zu hoch ist?

Der Grundsteuerwertbescheid kann angefochten werden, wenn Fehler bei der Bewertung vorliegen. Wichtige Punkte:

  • Einspruchsfrist: 1 Monat nach Bekanntgabe des Bescheids
  • Häufige Fehler: Falsche Wohnfläche, falsches Baujahr, falsche Nutzungsart, falscher Bodenrichtwert
  • Vorgehen: Schriftlicher Einspruch beim Finanzamt mit Begründung und Belegen
  • Hilfe: Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein einschalten bei komplexen Fällen

Grundsteuer und Immobilienrendite

Für Kapitalanleger ist die Grundsteuer ein Posten in der Renditekalkulation. Sie ist als Werbungskosten absetzbar — wenn sie nicht auf den Mieter umgelegt wurde. Bei voller Umlage auf den Mieter: kein Abzug beim Vermieter. Typische jährliche Grundsteuer für eine 70 m² Wohnung: 200–600 € je nach Lage und Gemeinde.

Nutze unseren Cashflow-Rechner, um die Grundsteuer realitätsnah zu berücksichtigen und deinen monatlichen Netto-Cashflow zu ermitteln.

Für Investoren mit mehreren Objekten kann eine Immobilien-GmbH die Steuerlast erheblich senken — ab etwa 3 Immobilien lohnt sich die Prüfung.

FAQ: Grundsteuerreform 2025

Wann gilt die neue Grundsteuer?
Ab dem 1. Januar 2025. Bis Ende 2024 galt noch die alte Berechnung auf Basis der Einheitswerte von 1964 (West) bzw. 1935 (Ost).

Muss ich als Vermieter etwas tun?
Du hast 2022 eine Grundsteuererklärung abgegeben (Pflicht). Das Finanzamt hat dann einen Grundsteuerwert- und Steuermessbetragsbescheid erteilt. Ab 2025 berechnet die Gemeinde die neue Grundsteuer auf dieser Basis.

Wird die Grundsteuer teurer oder günstiger?
Das variiert stark je nach Lage. In Städten mit gestiegenem Bodenrichtwert kann die Grundsteuer deutlich steigen (z. B. +50–100 %). In ländlichen Gebieten mit gefallenen Bodenwerten kann sie sinken. Pauschal gilt: Gute Lagen zahlen mehr, schlechte Lagen zahlen weniger.

Kann ich die Grundsteuer auf den Mieter abwälzen?
Ja, vollständig — wenn dein Mietvertrag eine Betriebskostenklausel enthält. Die Grundsteuer ist nach § 2 Nr. 1 BetrKV umlagefähig.

Was ist das "Bundesmodell"?
Das Bundesmodell ist die Standardberechnung, die in 13 von 16 Bundesländern gilt. Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg, Niedersachsen und Hessen haben eigene Modelle ("Länderöffnungsklausel") eingeführt.

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