Die Grundsatzfrage: Selbst nutzen oder vermieten?
Diese Frage stellt sich vielen Immobilieneigentümern — ob beim Kauf des ersten Objekts, bei einem geerbten Haus oder beim Übergang in den Ruhestand. Die Antwort hängt von persönlichen Zielen, der Steuersituation und der Immobilie selbst ab. Es gibt keine universell richtige Antwort, aber klare Kriterien für die Entscheidung.

Direktvergleich: Eigennutzung vs. Vermietung
| Kriterium | Eigennutzung | Vermietung |
|---|---|---|
| Steuerliche Behandlung | Keine Einkommensteuer auf "Mieterersparnis"; keine AfA; Zinsen nicht absetzbar | Mieteinnahmen steuerpflichtig; AfA, Zinsen, Werbungskosten absetzbar |
| Steuerfreier Verkauf | Sofort steuerfrei (Wohneigentumsförderung) | Erst nach 10 Jahren Haltefrist steuerfrei |
| Monatliche Belastung | Nur Kredit + Betriebskosten — keine Einnahmen | Miete reduziert Belastung erheblich |
| Flexibilität | Gering — gebunden an den Ort | Hoch — Sie können jederzeit umziehen |
| Lebensqualität | Eigener Gestaltungsspielraum, keine Rücksicht auf Mieter | Weniger Einschränkungen beim Wohnen |
| Risiko | Kein Mietausfall, aber voll fremdfinanziert | Mietausfallrisiko, aber externe Einnahmen |
| Inflation | Schulden entwerten real; Eigentum bleibt | Mieteinnahmen können steigen; Schulden entwerten |
Steuerlicher Vergleich im Detail
Eigennutzung: Keine AfA, aber auch keine Steuerlast
Wer selbst wohnt, kann keine AfA geltend machen und die Hypothekenzinsen nicht absetzen (außer in einigen Sonderkonstellationen wie früherem Arbeitszimmer). Dafür entstehen keine steuerpflichtigen Einnahmen.
Vermietung: Verluste möglich und steuerlich nutzbar
Bei Vermietung können in den ersten Jahren (hohe Zinsen, hohe AfA) steuerliche Verluste entstehen, die das zu versteuernde Einkommen senken. Bei 40 % Steuersatz und 10.000 € Verlust: 4.000 € Steuerersparnis — effektiv ein "Zuschuss" vom Finanzamt.
Was ist finanziell besser?
Pauschal lässt sich das nicht sagen. Als grobe Faustregel:
- Wenn die Miete höher ist als die Kreditrate: Vermietung ist wirtschaftlich attraktiver (positiver Cashflow)
- Wenn Eigennutzung günstiger ist als vergleichbare Miete: Eigennutzung kann finanziell sinnvoll sein
- Wenn Sie hohe Steuern zahlen: Vermietung schafft wertvolle steuerliche Abzugspositionen
- Wenn Sie Sicherheit und Freiheit priorisieren: Eigennutzung bietet beides
Besonderheit: Geerbte oder geschenkte Immobilien
Bei Erbschaft oder Schenkung gelten besondere Regeln: Das Familienheim-Privileg ermöglicht steuerfreie Übertragung bei Eigennutzung. Bei Vermietung können erhebliche Erbschaftsteuern entstehen.
Wenn Sie vermieten wollen: Mietrendite-Rechner. Cashflow: Cashflow-Rechner. Finanzierung: Finanzierungsrechner.
Für Kurzzeitvermietung: Mit dem Airbnb-Rendite-Rechner berechnest du, ob sich Ferienvermietung gegenüber klassischer Langzeitmiete lohnt.
FAQ: Eigennutzung vs. Vermietung
Kann ich nach Eigennutzung steueroptimiert zur Vermietung wechseln?
Ja, aber: Bei Eigennutzung und anschließendem Verkauf innerhalb von 2 Jahren ist der Gewinn steuerfrei. Bei Wechsel zu Vermietung beginnt die 10-Jahres-Frist für steuerfreien Verkauf neu.
Darf ich meine selbstgenutzte Immobilie teilweise vermieten?
Ja — z. B. eine Einliegerwohnung im Eigenheim vermieten. Die anteiligen Kosten sind dann steuerlich absetzbar.
Was ist besser für den Ruhestand?
Eigengenutzte Immobilie spart Miete = "sichere Rendite". Vermietete Immobilie schafft laufende Einnahmen, aber auch Verwaltungsaufwand. Oft ist eine Kombination ideal.
Verwandte Artikel: Nettokaltmiete vs. Warmmiete: Unterschiede einfach erklärt | Wohngebäudeversicherung für Vermieter: Kosten und Leistungen | Cashflow Immobilien berechnen: Was bleibt wirklich übrig? | Grunderwerbsteuer 2024: Alle Bundesländer im Vergleich
Fazit und Handlungsempfehlung
Das Wichtigste bei Immobilieninvestitionen: Zahlen kennen, Risiken einplanen, Strategie festlegen. Bevor du kaufst, solltest du Kaufpreisfaktor, Mietrendite und Cashflow kennen — am besten mit einem Rechner, der dir Brutto und Netto getrennt ausweist.
Weiterführende Rechner
- Mietrendite-Rechner — Brutto- & Nettomietrendite berechnen
- Cashflow-Rechner — Monatlichen Cashflow ermitteln
- Kaufpreisfaktor-Rechner — Vervielfältiger berechnen
- Nebenkosten-Rechner — Kaufnebenkosten je Bundesland
- Finanzierungs-Rechner — Tilgungsplan & Monatsrate
FAQ
Wie berechne ich die Rendite meiner Immobilie?
Die Bruttorendite ergibt sich aus: (Jahreskaltmiete / Kaufpreis) × 100. Für die Nettomietrendite werden Nebenkosten, Verwaltung und Instandhaltung abgezogen. Nutze den Mietrendite-Rechner für eine vollständige Berechnung.
Was ist ein guter Kaufpreisfaktor?
Der Kaufpreisfaktor (Kaufpreis / Jahreskaltmiete) liegt bundesweit zwischen 15x (Ruhrgebiet) und 40x (München). Ein Faktor unter 25x gilt als renditeorientiert, über 30x eher als Wertanlage. Berechne ihn mit dem Kaufpreisfaktor-Rechner.